Bitcoin – auch in Zeiten von Blackouts eine sichere Bank

In jüngster Zeit sorgten grössere lokale oder überregionale Stromausfälle, wie etwa in Spanien und Portugal im April 2025, in Tschechien sowie in mehreren norditalienischen Städten im Juni 2025, vermehrt für Schlagzeilen. Das europäische Verbundnetz bleibt auf absehbare Zeit erheblichen Schwankungen ausgesetzt. Warum Bitcoin auch unter diesen Bedingungen keine Gefahr droht, erfahren Sie im vorliegenden Artikel.

 

Wachsende Herausforderungen im europäischen Stromnetz

 

Mit einer Länge von über einer Million Kilometern ist die Strominfrastruktur der Europäischen Union das umfangreichste und am meisten integrierte Netz der Welt.[1]  Ein wesentlicher Treiber des strukturellen Wandels, den dieses Verbundnetz durchläuft, stellt die vermehrte Nutzung von Energie aus erneuerbaren Quellen wie Windfarmen und Photovoltaikanlagen dar.

 

Demgegenüber hat die Verfügbarkeit von stabiler Bandenergie aus konventionellen Kraftwerken relativ gesehen abgenommen, vor allem in Deutschland. Diese Entwicklung erfordert einen grenzüberschreitenden Ausbau von Stromtransport- sowie dezentralen Steuerungskapazitäten. Die geschätzten Investitionskosten für die Erneuerung und Verbesserung könnten sich bis 2030 auf bis zu 650 Milliarden Euro belaufen.

 

Zusätzliche Komplexität erfährt dieses System durch den Umstand, dass der Strom an verschiedenen Märkten (Future/Terminmarkt; Day-Ahead; Intraday; Regelenergiemarkt) gehandelt wird. Durch die Volatilität der Einspeisung von erneuerbarer Energie haben Preisschwankungen, negative Energiepreise ebenso wie die Notwendigkeit von Redispatch-Massnahmen – Eingriffe zwecks Gewährleistung der Netzstabilität bei 50 Hertz – in den letzten Jahren erheblich zugenommen.

 

 

Die zahlreichen Knotenpunkte des Bitcoin-Netzwerks

 

Das Bitcoin-Netzwerk hingegen ist im Verlaufe seiner bisherigen Existenz nicht nur grösser, sondern auch widerstandsfähiger geworden. Die Anzahl der Bitcoin-Nodes, Knotenpunkte bzw. Computer, die nach strikt definierten Netzwerkregeln arbeiten, um den reibungslosen Austausch und die Verifizierung von Daten sicherzustellen, erstreckt sich inzwischen rund um den Erdball.

 

Der mit Abstand grösste Teil der Bitcoin-Nodes befindet sich zwar in Nordamerika, Europa sowie in Ostasien. Aber auch in abgelegenen Gegenden der Welt zeichnen sogenannte Full Nodes eine vollständige und aktuelle Kopie der Blockchain auf. Sie fungieren gewissermassen als Wächter des Bitcoin-Netzwerks und entscheiden, ob Blöcke oder Transaktionen gültig sind.

 

Die Bitcoin Miner oder Mining-Nodes fassen Transaktionen in Blöcke zusammen und fügen diese zur Blockchain hinzu. Dies tun sie, indem sie komplexe kryptografische Aufgaben lösen. Als Belohnung für dieses Mining oder Schürfen erhalten sie neue Bitcoins als Entschädigung.

 

Hinzu kommen Payment Nodes sowie eine Reihe weiterer Knotenpunkte mit spezialisierter Funktion, die anders als die Full und zahlreiche Mining Nodes nicht die gesamte Blockchain synchronisieren.

 

 

Netzwerksicherheit ohne zentrale Autorität und Regulierung

 

Bitcoin ist dezentral und Peer-to-Peer: Sowohl Miner und Node-Betreiber arbeiten nach dem Konsensprinzip, das auf der fortlaufenden Synchronisation der Blockchain aufgrund kryptografischer Anreize beruht. Im Gegensatz dazu basiert die Tätigkeit von Geschäftsbanken, Zentralbanken oder von Transaktionssystemen wie Swift und SEPA auf hierarchischen Konten- und Clearingstrukturen. Dabei autorisieren zentrale Instanzen Transaktionen über geschützte, von aussen nicht einsehbare Netzwerke.

 

Das europäische Verbundnetz wiederum ist zwar in dem Sinne dezentral, dass rund 43 Übertragungsnetzbetreiber von 36 Ländern existieren. Die Zusammenarbeit wird jedoch stark koordiniert über des ENTSO-E, den Verband europäischer Übertragungsnetzbetreiber und nationale Regulierungsbehörden. Entscheidungen zu Lastverteilung, Netz­stabilität, Investitionsplanung und Regulierung treffen Netzbetreiber und Behörden gemeinsam und über lange Planungszyklen.

 

Zwar ist das Entstehen eins sogenannten Single Point of Failure im europäischen Verbundnetz selten und unwahrscheinlich. Doch durch die Beschädigung von Transformatoren oder Engpässe an Grenzleitungen können je nach Gesamtkonstellation grosse regionale Versorgungskrisen entstehen, wie die Ereignisse in jüngster Zeit zeigten.

 

Dahingegen ermöglicht die globale Verteilung der Bitcoin Nodes eine redundante Weiterleitung von Transaktionen. Bereits heute übertragen zudem mehrere geostationäre Satelliten der Firma Blockstream die Blockchain rund um die Uhr. Damit empfangen Nutzer weltweit Blockchain-Daten, ohne auf eine Internetverbindung angewiesen zu sein. Der Ausfall von Strom und Internet in einzelnen Ländern oder Regionen beeinflusst daher die Funktionsfähigkeit von Bitcoin als Gesamtsystem kaum. Weder die Integrität der Blockchain noch die Übermittlung von Transaktionen wären ernsthaft gefährdet.

Aufgrund eines Mining-Verbots in China fielen im Sommer 2021 kurzfristig rund 34 Prozent der weltweiten Bitcoin-Schürfkapazitäten aus. Doch selbst dieser Einbruch brachte das Netzwerk nicht ansatzweise in Bedrängnis. Es ist deshalb zu erwarten, dass auch ein überregionaler Blackout kompensiert werden könnte, währen ein Stromausfall globalen Ausmasses selbst für Pessimisten als unrealistisches Szenario erscheint.

 

Stromkrisen: temporäre Zugriffsprobleme und Preisvolatilität denkbar

 

Dank ihrer zentralen Lage in Europa, ihrer wichtigen Funktion als Stromdrehscheibe und ihren grossen Stauseen ist die Schweiz auch im Hinblick auf Stromversorgungskrisen in einer relativ privilegierten Position.

 

Von einem grösseren Stromausfall wären natürlich auch Bitcoin-Nutzer und -Halter insofern betroffen, als dass der Zugriff auf Internet, Endgeräte, Krypto-Börsen und Banken während einer solchen Krise zeitweilig nicht mehr möglich wäre.

 

Darüber, ob der Bitcoin-Preis infolge eines schweren und länger dauernden überregionalen Stromausfalls in Europa, sehr volatil oder aber resilienter als andere Märkte reagieren würde, lässt sich trefflich diskutieren.

 

In jedem Fall Sinn macht die sichere und diskrete Aufbewahrung von wichtigen Daten, einschliesslich und insbesondere der Seed Phrase. Als Kryptobörsen mit Sitz ausserhalb der EU kommen neben Schweizer Anbietern z. B. Kraken (USA/UK), Coinbase (USA), Crypto.com (Singapur) oder OKX (Kayman Inseln) infrage.

 

[1] https://www.europarl.europa.eu/RegData/etudes/BRIE/2025/772854/EPRS_BRI(2025)772854_EN.pdf

 

 

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