Seit Anfang 2024 können amerikanische Anlegerinnen und Anleger Bitcoin über sogenannte Exchange Traded Funds (ETF) halten und handeln. Ein Investment über solche Vehikel bietet besonders für konservativere und institutionelle Investoren Vorteile.
ETFs: Die neue Art, in Bitcoin zu investieren
Auch Schweizer Investoren steht diese Möglichkeit offen, sei es über Banken und Broker mit Anbindung an US-Börsen oder über Exchange Traded Products (ETP), die an der SIX reguliert sind.
Eine neue Zeitrechnung für Bitcoin-Investoren
Im Januar 2024 erteilte die Security and Exchange Commission in den USA erstmals grünes Licht für die offizielle Zulassung eines Bitcoin Spot Exchange Traded Funds (ETF) von BlackRock, dem grössten Vermögensverwalter der Welt. Damit endete für Marktbeobachter und Investoren eine langjährige und teils nervenaufreibende Zeit des Wartens. Knapp ein Jahr später existieren in den USA elf zugelassene Bitcoin Spot ETFs. Diese investieren direkt durch den Kauf von physischen BTC am Markt, im Gegensatz zu den bereits etwas länger verfügbaren Bitcoin-Futures ETFs, welche dies über Derivate tun.
Durch die Möglichkeit, Bitcoin über ETFs kaufen zu können, sind Bitcoin und einige alternative Kryptowährungen für ein breiteres Spektrum an Investoren interessant geworden. Aufgrund der tieferen Eintrittshürden könnte dies zu einer stark erhöhten Nachfrage und einer steigenden Akzeptanz von Kryptowährungen im Mainstream führen.
Wissenswertes für Schweizer Investoren
Die von der SEC bewilligten ETFs sind bis heute nur mit Domizil USA verfügbar. Wer sich für diese Produkte interessiert und über eine Bank oder einen Broker mit Anbindung an die US-Börsen handelt, muss wissen, dass sie darum der US-Erbschafsteuergesetzgebung unterstehen. Auch ist für Schweizer Anleger mit höheren Kosten beim Handel zu rechnen, hinzu kommt das Wechselkursrisiko.
Alternativ können in der Schweiz wohnhafte Investoren an der Börse SIX regulierte Bitcoin ETPs erwerben, sogenannte Exchange Trade Products. Diese gibt es auch für Altcoins. ETPs funktionieren sehr ähnlich wie ETFs. Da es sich allerdings rechtlich um Schuldverschreibungen handelt, wäre beim Konkurs des Herausgebers der Schutz des investierten Kapitals der ETP-Anteilseigner nicht gewährleistet.
Generell gelten bei der Auswahl eines ETF neben der Grösse das Handelsvolumen, das Verhältnis zwischen Gesamtgebühren und investiertem Betrag sowie die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskurs als wichtigste Kriterien. Darüber hinaus spielen natürlich die Höhe der Transaktions- und Depotgebühren beim Entscheid eine wesentliche Rolle.
IBIT und GBTC verwalten grösste Nettovermögen
Bei den beiden grössten Bitcoin ETFs handelt es sich um den iShares Bitcoin Trust (ISIN: US46438F1012; Valorennummer: 46438F101) von Blackrock und den Grayscale Bitcoin Trust (ISIN: US3896371099; Valorennummer: A2PB2L). Das Nettovermögen der beiden Fonds betrug am 19. Januar 2025 knapp 59 Milliarden (IBIT) bzw. rund 21 Milliarden US Dollar (GBTC). Beim über die letzten 30 Tage durchschnittlich gehandelten Volumen hat der ETF von BlackRock zurzeit die Nase klar vorn, mit Bewegungen im Wert von rund 43 Millionen Dollar gegenüber knapp 4,3 Millionen Dollar, die GBTC verzeichnete (Stand: Mitte Januar 2025). Mit 0,25 Prozent ist die Gesamtkostenquote beim IBIT im Moment wesentlich tiefer als beim GBTC, wo diese 1,50 Prozent ausmachen.
((Quellen:
https://etfs.grayscale.com/gbtc
https://www.blackrock.com/us/individual/products/333011/ishares-bitcoin-trust
))
Wertpapiere vs. Selbstverwaltung von Coins
So mancher überzeugte Fan von Bitcoin beäugt die noch jungen ETFs in den USA kritisch, trotz der starken Preiszunahme, die seit ihrer Lancierung stattgefunden hat. Denn dabei handelt es sich um börsengehandelte Fonds, die wie eine Aktie an einer Börse gehandelt werden. Sie bilden traditionell die Performance eines spezifischen Indexes, eines Rohstoffes, einer Branche oder eines anderen Vermögenswertes nach.
Dadurch ist es Anlegerinnen und Anlegern möglich, in eine breite Palette von Vermögenswerten zu investieren, ohne einzelne Aktien oder Obligationen kaufen zu müssen. Wer jedoch über ETFs oder auch über ETPs in Bitcoin investiert, kontrolliert die in seinem Namen ausgewiesenen Coins jedoch nicht direkt. Dies widerspricht dem Geist des libertären Kerns der Bitcoin Community, bei der Dezentralisierung und die Unabhängigkeit von Banken, Konzernen und Regierungen hochgehalten werden, was im Leitspruch “not your keys, not your coins” zum Ausdruck kommt.
Die andere Seite der Medaille: Bereits lange vor der Erfindung von Bitcoin haben ETFs aufgrund ihrer Einfachheit, tiefen Kosten und grossen Liquidität das Anlegen in den vergangenen Jahrzehnten, für viele Anleger wesentlich vereinfacht. Bitcoin ETFs ermöglichen Investoren einen Markteinstieg in einem streng regulierten Umfeld, ohne sich mit Krypto-Börsen, neuen Wallets und ungewohnten Apps vertraut machen zu müssen. Ihre Bitcoin ETFs sind gegen die Insolvenz des Brokers abgesichert und lassen sich bequem in einem normalen Depot verwalten.
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