Bitcoin und Energieversorgung

Energieversorgungssysteme zählen zu den komplexesten technischen Errungenschaften der Menschheit. Mining und Transaktionen von Bitcoin erhöhen die Anforderungen an die Leistungsfähigkeit dieser Netze. Gleichzeitig eröffnen sich dadurch neue Möglichkeiten beim Betrieb von Energiesystemen.

Energieverbrauch einer mittelgrossen Industrienation

In den vergangenen Jahren haben Mainstream-Medien wiederholt das öffentliche Bewusstsein für den hohen und wachsenden Stromverbrauch des globalen Bitcoin-Netzwerks geschärft. Beliebt sind insbesondere Vergleiche mit dem Strombedarf ganzer Volkswirtschaften. Eine präzise und aktuelle grafische Übersicht findet man auf einer Website der Cambridge University. Am 16. Mai 2025 etwa belief sich der jährliche Verbrauch auf 178,59 TWh. Dies entspricht dem Bedarf mittelgrosser Industrieländer (Polen: rund 140 TWh).

Kritiker argumentieren, dass dieser Energieverbrauch von Bitcoin in keinem gesunden Verhältnis zum Nutzen stehe, der für die Gesellschaft aus dem Netzwerk resultiert. Der steigende Energiehunger von Bitcoin trage vielmehr zur rasanten Zunahme der Strompreise bei und erschwere zudem die Energiewende.

Insbesondere in Europa nehmen Sorgen in Teilen der Bevölkerung und Fachkreisen um die Stabilität des kontinentalen Verbundnetzes zu. Zuletzt ereignete sich im Mai 2025 in Spanien und Portugal ein grossflächiger Stromausfall. Die bisherigen Untersuchungen liefern keine Hinweise darauf, dass Bitcoin-Mining konkret für den Vorfall verantwortlich ist. Dennoch erscheint es denkbar, dass weitere Vorfälle dieser Art Kritiker des Bitcoin-Netzwerks in ihrer Skepsis bestärkt.

Eine Notwendigkeit ist der hohe Stromverbrauch freilich nicht. Falls z. B. wegen höherer Strompreisen weniger Miner betrieben werden, hätte dies auf die Funktionalität von Bitcoin als System und praktische Anwendung keinen Einfluss.

Bitcoin als Indikator für rasanten Fortschritt

Die Sichtweise, wonach das Bitcoin-Netzwerk zum Kollaps der Stromnetze führt, wird von Mitgliedern der Bitcoin-Community in Frage gestellt. Sie verweisen auf frühere Phasen der industriellen Revolution. Dabei seien trotz gefühlter temporärer und lokaler Engpässe, etwa an Holz oder leicht auffindbarer Kohle, letztlich enorme Fortschritte beim technologischen und wirtschaftlichen Niveau erreicht worden.

Es ist richtig, dass der Stromverbrauch von Bitcoin stark ansteigt. Doch diese Entwicklung sollte nicht isoliert betrachtet werden, sondern im Kontext einer viel grösseren Transformation, so die Ansicht dieser techno-optimistischen Fraktion. Auch die immer umfassendere Verwendung von künstlicher Intelligenz führe zu einem rasch zunehmenden Stromkonsum.

In der Energieerzeugung beispielsweise könnten weitere Neuerungen und Durchbrüche zu erwarten sein. So war es etwa im chinesischen Fusionsreaktor EAST im Januar 2025 möglich, ein Plasma fast 18 Minuten lang bei 100 Million Grad Celsius stabil zu halten. Manche Beobachter feiern dies als ein Meilenstein auf dem langen Weg zur kommerziell nutzbaren Kernfusion.

Ein weiterer Einwand gegen Kritiker des Stromverbrauchs von Bitcoin: Das Mining von Bitcoin findet oft an Örtlichkeiten statt, wo lokale oder zeitweilig ein Überschuss von Energie anfällt. Zum Beispiel in Island mit seiner beachtlichen thermischen Energieproduktion. In den hellen Frühjahr- und Sommermonaten wird gerade in Südeuropa sehr viel Sonnenenergie erzeugt. Es kommt zu Konstellationen, bei denen trotz Bitcoin Minern nicht genügend Stromabnehmer vorhanden sind.

In entlegenen Gebieten Afrikas hat die Präsenz von Bitcoin Mining Firmen teilweise zum Ausbau der Strominfrastruktur beigetragen: Energieerzeuger haben dank diesen einen Anreiz, Strom für diese und andere Kunden zu produzieren.

Die Quintessenz der techno-optimistischen Sichtweise: Bitcoin und sein Energiehunger stellen keine existenzielle Gefahr für das Stromnetz dar, sondern deutet darauf hin, dass die Menschheit eine weitere Phase rasanten zivilisatorisch-technischen Fortschritts durchläuft.

Lightning und Second Layers: energieeffiziente Transaktionen

Eine wichtige Rolle in der Debatte um den Energieverbrauch von Bitcoin spielen Lightning und andere sogenannte Second-Layer-Lösungen. Denn sie haben das Potenzial, die Effizienz des Netzwerks erheblich zu verbessern.

Das Lightning Network ermöglicht Off-Chain-Transaktionen, die nicht direkt auf der Bitcoin-Blockchain verarbeitet werden. Dadurch wird der Energieaufwand pro Transaktion drastisch gesenkt. Anstatt, dass jede einzelne Zahlung durch energieintensives Mining validiert wird, bündelt Lightning Transaktionen in Zahlungskanälen; nur das Endergebnis wird auf der Blockchain gespeichert.

Theoretisch sind über das Lightning-Netzwerk Millionen von Transaktionen pro Sekunde möglich. Damit kann es problemlos mit grossen Zahlungsdienstleistern Schritt halten. Die Entlastung der Blockchain durch eine vermehrte Verwendung von Lightning könnte dereinst zu einer Senkung des Gesamtenergieverbrauchs pro Zahlung führen.

Weitere Second Layer-Lösungen sind Rollups: Auch diese bündeln viele Transaktionen und speichern nur eine komprimierte Version auf der Blockchain. Bei Sidechains handelt es sich um separate Blockchains, die mit Bitcoin verbunden sind und Transaktionen energieeffizienter gestalten.

Hier erfährst Du mehr über Lightning: https://bitcoin-schweiz.ch/lightning/

 

Bild: Bitcoin – Herausforderung und Chance für die Energieversorgung